Fortgeschrittene Techniken
Maximiere die Qualität deiner KI-Ergebnisse, indem du durch die gezielte Nutzung von detailliertem Kontext, mehrstufigen Anweisungen und strukturierten Assistenten-Prompts die KI präzise steuerst.
Geschrieben von Thomas Rottinghaus
Zuletzt aktualisiert Vor 6 Monaten
Die Bedeutung von Kontext
Der entscheidendste Faktor für eine qualitativ hochwertige Antwort der KI ist der Kontext, den du bereitstellst. Je mehr relevante Hintergrundinformationen, Daten und spezifische Details du in deinen Prompt integrierst, desto präziser und nützlicher wird das Ergebnis sein.
Betrachte die KI wie einen neuen Mitarbeiter: Ohne das vollständige Bild kann sie nur allgemeine Antworten liefern.
Beispiel: E-Mail-Beantwortung
Anstatt die KI zu bitten, nur auf die letzte erhaltene E-Mail zu antworten, füge den gesamten bisherigen E-Mail-Verlauf in den Prompt ein. Dadurch versteht die KI den vollständigen Gesprächsverlauf, die Tonalität und frühere Vereinbarungen und kann eine Antwort formulieren, die perfekt passt.
Mehrstufige Prompts (Schritt-für-Schritt-Anweisungen)
Versuche nicht, komplexe Aufgaben in einem einzigen, massiven Prompt zu lösen. Ein weitaus effektiverer Ansatz ist es, die Aufgabe in kleinere, logische Schritte zu zerlegen. Führe einen Dialog mit der KI, bei dem du nach jedem Schritt Feedback gibst und die Richtung anpasst. So behältst du die Kontrolle und stellst sicher, dass das Endergebnis genau deinen Vorstellungen entspricht.
Beispiel: Blogartikel erstellen
Prompt 1: "Ich möchte einen Blogartikel zum Thema 'Die Zukunft der künstlichen Intelligenz im Marketing' schreiben. Erstelle mir zuerst eine detaillierte Gliederung mit einer Einleitung, drei Hauptpunkten und einem Fazit. Schreibe noch nicht den Text."
Prompt 2: "Die Gliederung ist gut. Formuliere jetzt im ersten Schritt nur eine fesselnde Einleitung, die die Neugier der Leser weckt."
Prompt 3: "Perfekt. Arbeite nun den ersten Hauptpunkt 'Personalisierung durch KI' aus und gib konkrete Beispiele."
(Dieser Prozess wird fortgesetzt, bis der gesamte Artikel fertiggestellt ist.)
Dieser Ansatz hat zwei entscheidende Vorteile: Zum einen ist es für dich als Nutzer deutlich einfacher, kleine Inkremente zu prüfen und gezieltes Feedback zu geben, wodurch die KI im Verlauf ein präziseres Verständnis für das Endziel entwickelt.
Zum anderen schont diese Methode das Kontextfenster, spart Tokens und minimiert so das Risiko von "Halluzinationen" – dem Erfinden von Fakten bei zu langen Dialogen.
Assistenten-Prompts (Persona Pattern)
Dies ist eine der mächtigsten Techniken, um die KI in einen spezialisierten Assistenten für wiederkehrende Aufgaben zu verwandeln. Anstatt eine einmalige Strategie zu entwickeln, weist du der KI hier eine präzise Rolle zu und versiehst sie mit einem wiederholbaren, klar strukturierten Auftrag.
Das primäre Ziel ist es, zuverlässige und konsistente Ergebnisse bei jeder einzelnen Anwendung zu erzielen. Indem du der KI feste Leitplanken in Form von Rolle, Ziel, Format und Einschränkungen gibst, eliminierst du Unklarheiten und verhinderst, dass sie generische oder unerwünschte Antworten liefert.
Dieser Ansatz ist ideal für die Automatisierung von Routineaufgaben, da er sicherstellt, dass die Qualität bei jeder Ausführung exakt gleich hoch bleibt.
Die Struktur eines solchen Prompts sieht wie folgt aus:
Rolle: Wer soll die KI sein? (z.B. ein Experte für Ernährung, ein SAP-Berater für Mittelständler)
Aufgabe/Ziel: Was ist das primäre Ziel des Prompts? Welche Aufgabe soll erledigt werden?
(optional) Workflow/Schritt-für-Schritt-Anleitung: Ein genauer Prozess, dem die KI folgen soll. Beispiel siehe unten.
Kontext: Alle notwendigen Hintergrundinformationen, die für die Erledigung dieser Aufgabe notwendig sind.
Output/Format: Genaue Vorgaben für die Struktur der Ausgabe.
Limitierung: Einschränkungen und Verbote (z.B. Tonalität, Wortzahl)
(optional) Beispiele: Muster für ein gewünschtes Ergebnis/Output.
Beispiel 1: Social-Media-Posts aus Blogartikeln erstellen
Rolle: Du bist ein erfahrener Content Marketing Assistent, spezialisiert auf das Repurposing von Blogartikeln für verschiedene Social-Media-Kanäle.
Aufgabe/Ziel: Deine wiederkehrende Aufgabe ist es, aus einem bestehenden Blogartikel drei verschiedene Social-Media-Posts zu erstellen, um dessen Reichweite zu maximieren.
Kontext: Hier ist der Text des Blogartikels, der beworben werden soll: [Blogartikel-Text hier einfügen]
Output/Format: Erstelle drei Posts: 1. Einen LinkedIn-Post (ca. 150 Wörter, professioneller Ton, mit 3-4 relevanten Hashtags), 2. Einen X- (Twitter) Thread (3 Tweets, beginnend mit einem Hook), 3. Eine Instagram-Caption (emotionaler, mit Frage am Ende und 5-7 Hashtags).
Limitierung: Verwende keine Clickbait-Formulierungen. Die Posts müssen den Inhalt des Artikels akkurat widerspiegeln und dürfen keine Informationen hinzufügen, die nicht im Originaltext enthalten sind.
Beispiel 2 (mit Workflow): Kundenanfragen bearbeiten
Rolle: Du bist ein erfahrener First-Level-Support-Mitarbeiter. Deine Stärke ist es, Kundenanfragen schnell zu kategorisieren und die richtigen ersten Schritte einzuleiten.
Aufgabe/Ziel: Deine tägliche Aufgabe ist es, neue Kundenanfragen zu kategorisieren und einen Entwurf für eine erste Antwort zu erstellen.
Workflow/Schritt-für-Schritt-Anleitung:
1. Analysiere die Anfrage und ordne sie einer der folgenden Kategorien zu: Technische Frage, Rechnungsfrage, Feature-Wunsch.
2. Pause: Präsentiere mir zuerst nur die Kategorie und warte auf meine Bestätigung.
3. Nach meiner Bestätigung, erstelle einen Antwortentwurf basierend auf der Kategorie und dem passenden Beispiel.
Kontext: Hier ist die neue Kundenanfrage: [Kundenanfrage hier einfügen]
Output/Format: Die finale Antwort soll als E-Mail-Text formuliert sein, der direkt kopiert werden kann. Beginne immer mit "Moin [Kundenname],".
Limitierung: Die Antwort muss empathisch, aber standardisiert sein. Gib keine genauen Zeitpläne für Bugfixes oder neue Features an.